arrow_back Blog

Retainer-Projekte in Agenturen: Aufgaben planvoll steuern

Retainer-Projekte sind das Rückgrat vieler Marketing-Agenturen – aber ohne klare Struktur führen sie zu Chaos und verpassten Deadlines. Dieser Leitfaden zeigt, wie Agenturen Boards, Sprint-Zyklen und Wissensmanagement einsetzen, um Retainer-Kunden zuverlässig zu bedienen. Mit den richtigen Prozessen sparen Teams Zeit, vermeiden Fehler und stärken die Kundenbindung.

Marketing-Agenturen betreuen häufig Dutzende von Kunden gleichzeitig – viele davon auf Retainer-Basis. Das bedeutet: Monat für Monat liefern, ohne dass ein klares Projektende in Sicht ist. Genau das macht Retainer-Projekte zu einer organisatorischen Herausforderung. Tasks wiederholen sich, Prioritäten verschieben sich kurzfristig, und ohne eine klare Struktur verlieren Teams schnell den Überblick – und die Kontrolle über Qualität und Deadlines. Dabei ist die Lösung kein großes Transformationsprojekt, sondern eine Handvoll klarer Prozesse, die sich schnell einführen lassen.

Was ein Retainer-Projekt von einem Einmalprojekt unterscheidet

Bei einem klassischen Projekt gibt es einen definierten Anfang, eine klare Leistungsbeschreibung und ein Enddatum. Beim Retainer ist das anders: Der Kunde zahlt eine monatliche Pauschale und erwartet dafür kontinuierliche Leistung – Social-Media-Content, Kampagnensteuerung, SEO-Reports, Performance-Analysen oder Kreativ-Assets.

Das schafft drei spezifische Herausforderungen für das operative Team:

  • Wiederkehrende Aufgaben müssen jeden Monat neu priorisiert, zugewiesen und verfolgt werden.
  • Scopeänderungen kommen häufig kurzfristig und ohne formellen Änderungsprozess direkt vom Kunden.
  • Ressourcenplanung ist schwierig, wenn mehrere Retainer gleichzeitig in heißen Phasen stecken.

Agenturen, die Retainer mit denselben Prozessen wie Einmalprojekte verwalten, produzieren unnötigen Overhead – oder liefern unzuverlässig. Beides schadet der Kundenbindung und gefährdet die Vertragsverlängerung.

Typische Probleme beim Retainer-Management in Agenturen

In der Praxis zeigen sich immer wieder dieselben Muster, unabhängig von der Größe der Agentur:

  • Kein zentrales Aufgaben-Board: Tasks landen in E-Mails, Chat-Nachrichten oder Notizbüchern. Am Monatsende ist unklar, was tatsächlich geliefert wurde – und was noch offen ist.
  • Unklare Zuständigkeiten: Wer ist Owner der monatlichen Kampagne? Wer gibt den Report frei? Ohne klare Verantwortlichkeiten entstehen Lücken und gegenseitige Schuldzuweisungen.
  • Fehlende Kundentransparenz: Kunden fragen per E-Mail nach dem Status von Deliverables. Das erzeugt Rückfragen, die wertvolle Kapazität im Account-Management fressen.
  • Keine Dokumentation von Entscheidungen: Was hat der Kunde beim letzten Call gesagt? Welche Änderung wurde mündlich abgesegnet? Fehlt dieses Wissen, wiederholen sich Fehler – und Missverständnisse eskalieren zu Konflikten.

Diese Probleme sind lösbar – aber nur mit einem strukturierten Ansatz, der den wiederkehrenden Charakter von Retainern berücksichtigt. Wie ähnliche Koordinationsprobleme entstehen und systematisch behoben werden, beschreibt unser Artikel zu unklaren Zuständigkeiten im Team.

Schritt für Schritt: Retainer-Projekte strukturiert verwalten

1. Ein eigenes Board pro Retainer-Kunde anlegen

Jeder Retainer-Kunde bekommt ein eigenes Kanban-Board mit festen Spalten: Backlog, In Bearbeitung, In Freigabe, Erledigt. Alle monatlich wiederkehrenden Tasks – etwa der monatliche Newsletter, der Performance-Report oder das Social-Media-Posting – werden als Vorlage gespeichert und zu Monatsbeginn automatisch neu erstellt. So verliert kein Teammitglied Zeit damit, dieselben Aufgaben manuell anzulegen oder wichtige Deliverables zu vergessen.

2. Klare Verantwortlichkeiten setzen

Jede Aufgabe bekommt genau einen Owner – nicht zwei, nicht „das Team". Wer eine Aufgabe anlegt, wählt sofort eine verantwortliche Person und ein Fälligkeitsdatum. Für Freigaben gilt das Vier-Augen-Prinzip: Eine Person erstellt, eine andere gibt frei. Dieses einfache Prinzip verhindert, dass Aufgaben im Niemandsland verschwinden und niemand das Gefühl hat, zuständig zu sein.

3. Monatliche Sprint-Zyklen nutzen

Auch wenn Retainer kein klassisches Projektende haben, helfen Sprint-Zyklen dabei, den Monat zu strukturieren. Zu Beginn jedes Monats findet ein kurzes Planning statt – 30 Minuten reichen: Welche Tasks aus dem Backlog werden priorisiert? Was hat sich beim Kunden verändert? Hat der Kunde neue Anforderungen gemeldet? Dieses kurze Ritual verhindert, dass das Team reaktiv statt proaktiv arbeitet. Agile Methoden lassen sich dabei auch für kleinere Teams gut einsetzen – mehr dazu im Beitrag zur Sprint-Planung für Startups.

4. Kundenkommunikation direkt dokumentieren

Jeder Call und jede E-Mail mit relevanten Entscheidungen wird als Kommentar direkt an die entsprechende Aufgabe gehängt. Wechselt ein Account-Manager oder übernimmt ein Freelancer, findet die nachfolgende Person alle Informationen an einer Stelle – ohne aufwändige Übergabe-Meetings oder Suche in alten E-Mail-Threads.

5. Monatliche Leistungsübersicht erstellen

Am Monatsende exportiert der Account-Manager eine Übersicht aller erledigten Aufgaben, gelieferter Assets und offener Punkte. Das dauert wenige Minuten, wenn das Board konsequent gepflegt wurde. Dieser Report ersetzt lange Statusmeetings und macht die erbrachte Leistung für den Kunden sichtbar – ein wichtiger Faktor für die Vertragsverlängerung.

Ressourcenplanung: Mehrere Retainer parallel steuern

Die eigentliche Herausforderung entsteht, wenn eine Agentur zehn oder mehr Retainer-Kunden gleichzeitig betreut. Dann ist nicht mehr die Frage, wie eine Aufgabe erledigt wird, sondern wer sie überhaupt noch erledigen kann.

Zwei Maßnahmen haben sich dabei bewährt:

  • Wöchentliche Kapazitätsprüfung: Jeden Montag schaut die Teamleitung, welche Mitarbeitenden in der laufenden Woche noch freie Kapazitäten haben. Kritische Engpässe werden sichtbar, bevor sie zum Problem werden und Deadlines gefährden.
  • Puffer einplanen: Jeder Retainer enthält einen definierten wöchentlichen Puffer für kurzfristige Kundenwünsche und Änderungsanfragen. Wer keinen Puffer einplant, kann keine Zusatzwünsche annehmen – oder liefert reguläre Tasks zu spät.

Ohne diese Maßnahmen entstehen klassische Überlastungssituationen: Mitarbeitende arbeiten Überstunden, die Qualität sinkt, und Kunden erhalten Deliverables, die nicht dem Briefing entsprechen. Das erhöht den Revisionsbedarf und kostet die Agentur langfristig mehr als ein strukturierter Planungsprozess. Wie Agenturen ihre Workflows insgesamt schneller und effizienter gestalten, zeigt unser Artikel zum Agentur-Workflow.

Wissensmanagement: Was Agenturen oft vergessen

Gutes Retainer-Management ist auch Wissensmanagement. Kreativ-Briefings, Brand-Guidelines, Tone-of-Voice-Dokumente, Zugangsdaten für Kundentools und dokumentierte Kundenpräferenzen müssen jederzeit auffindbar sein – nicht nur im Kopf des zuständigen Account-Managers.

Eine interne Wissensdatenbank, die direkt an das Aufgaben-Board angebunden ist, löst dieses Problem dauerhaft. Neue Mitarbeitende oder Freelancer finden alle relevanten Informationen ohne aufwändiges Onboarding. Das spart Zeit, vermeidet Fehler und macht die Agentur weniger abhängig von einzelnen Personen – ein unterschätzter Faktor für Skalierbarkeit.

Wissen, das nur in einem Kopf steckt, ist ein Risiko. Wissen, das im System steckt, ist ein Wettbewerbsvorteil.

Fazit

Retainer-Projekte sind für Marketing-Agenturen eine verlässliche Einnahmequelle – aber nur dann, wenn sie strukturiert verwaltet werden. Ein eigenes Board pro Kunde, klare Zuständigkeiten, monatliche Sprint-Zyklen und eine gepflegte Wissensdatenbank machen den Unterschied zwischen einer Agentur, die zuverlässig liefert, und einer, die ständig hinterherläuft.

Wer diese Prozesse konsequent umsetzt, gewinnt operative Kapazität, reduziert Fehlerquellen und schafft eine bessere Grundlage für langfristige Kundenbeziehungen. Gute Prozesse sind die Basis für nachhaltiges Wachstum – nicht nur für die Qualität einzelner Kampagnen.

Testen Sie Subtask kostenlos und strukturieren Sie Ihre Retainer-Projekte von Anfang an richtig.

Wir verwenden Cookies, um die Benutzererfahrung zu verbessern und den Website-Verkehr zu analysieren. Mit Klick auf „Akzeptieren“ stimmen Sie der Verwendung von Cookies auf unserer Website zu, wie in unserer Cookie-Richtlinie.
error_outline Name, Nachname, E-Mail und Nachrichtenfeld müssen gültig sein!
error_outline Das E-Mail-Feld muss gültig sein!
error_outline Unberechtigte Transaktion!